Cineastisch-vegane Weltreise: Bosnien und Herzegowina (Station 10)

Willkommen zurück auf unserer gemeinsamen gedanklichen Reise durch eine heile Welt von gestern. Dank des klimaneutralen Antriebs unseres yogischen Fliegers reist es sich ungeniert wie schuldlos zu den Stationen unserer herrlich verrückten Lustreise. Im Zickzackkurs springen wir nun schon seit Wochen von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent. Wir flüchten vor Einsperrung, vor politisch-medialer Indoktrination und letztlich vor der Resignation. Das tun wir, diese selbst gewählte Ablenkung gönnen wir uns. Schließlich ist jene so ereignisreich mit Dingen, Begegnungen und Handlungen gesäumte Straße, welche wir als Zukunft zu bezeichnen pflegen, aktuell nicht wiederfindbar. Allzu sehr hat sich die Menschheit verfahren. Vermeintlichen Wahrheiten folgend haben sich viele von uns in die Ödnis locken lassen. Über die Details der weltweiten Verirrung informiert der Corona Ausschuss.

Drum genieß auch hier und heute mit uns diesen Tag der Loslösung von Gefangenschaft und Fremdbestimmtheit. Koch geschwind die Gerichte nach und klick dir auf deinem Smart-TV oder in deinem Browser unsere Filmauswahl. Gewähre dir und uns abermals für ein paar Stunden die köstlich-erinnerungsvolle Reise an Orte des Sehnens.

Bosna i Hercegovina

Wie nur ist Bosnien und Herzegowina einzuordnen und wie passt es in unsere Reise? Schließlich ist dieses verrückt hügelige Land weit weg von der Küste, die langen Winter dort sind geradezu legendär trist. Zudem ist Bosnien filmisch wie kulinarisch aller Grazie um Welten fern. 🙂 Ist leider so. Gemeint ist das Feine im Kulinarischen und das Noble im kunstvollen Bewegtbild, wir erinnern uns insbesondere an die Reisestationen Frankreich und Italien. Derlei Hochtrabendes bleibt Bosnien fremd. Schießlich ist hier im Land der guten Herzen das Essen deutlich deftiger. Hingegen fällt die Zahl der zur Auswahl stehenden Filme deutlich geringer aus.

Dergestalt sind viele nur scheinbar bosnische Movies eher serbischen Filminstituten zuzurechnen. Derweil behandeln andere Filme vornehmlich die Kriegsgreuel der Neunzigerjahre. Wiederum andere Streifen, darunter mitunter kleine Perlen des Programmkinos, liegen nur im Originalton mit Untertiteln vor. Oder sie sind schlicht nicht im Streaming TV verfügbar. Soll ja nicht so sein. Kennst ja die Althoffs: einfach soll’s bleiben, machbar. Darum fußt das heutige Hauptmahl auf fertig gekauftem Brot und auf fertig gekauften Bratlingen. Aus demselben Hang zur einfachen Umsetzbarkeit bleiben beide für heute gewählten Filme amerikanischen Ursprungs. In dem einen Streifen hilft der einzige Hollywoodschauspieler mit sichtbar gebrochener Nase heldenhaft dem kriegsgebeutelten bosnischen Volk, in dem anderen Streifen entführt Netflix uns in eine Parabel mit Liebe und mit Monstern. So geht’s auch und so werden wir Spaß haben. Und lecker essen natürlich. Schmaler um die Hüften herum werden wir heute übrigens nicht. 🙂

Bevor wir essen und uns dem Filmgenuss widmen, will ich dir nur zwei Geschichten erzählen. Zwei kurze Erzählungen sollen dir den Blick auf das Besondere Bosniens und seiner herzensguten Bosniaken ermöglichen. Jenen Blick gewähren, wie ihn unsere Augen nicht zu erhaschen vermögen.

Von Bosnien und Herzegowina nach Deutschland

Das Bosnien und Herzegowina meiner Kindheit in den Siebzigern war noch Teil der Sozialistisch Föderativen Republik Jugoslawien. Im Grunde genommen hatten die Bosniaken unter der Verwaltung durch serbisch besetzte Politik, Behörden und Gerichte nicht viel mehr als das Leben im Privaten. Und dieses wurde gelebt, gerade im ländlichen Kozarac mit seinen so besonderen Menschen.

Das Glück dort rührte nicht her vom Materiellen. Vielmehr erwuchs es aus Familiensinn, gelebter Nachbarschaft, Aufrichtigkeit und Bescheidenheit. Man besuchte sich, man interessierte sich füreinander, man half selbstlos und es wurde einem selbstlos geholfen. In der Kühle des Abends begab man sich gutgekleidet zum Flanieren in die Ortsmitte, zum Sehen und Gesehenwerden. Ließ es das knappe Geld zu, dann wurde Platz genommen in einem der vielen Lokale mit Livemusik.

Grillplatten, Salate, Pivo und Rakija hoben die Stimmung. Das immerwährende Klangbild aus Ziehharmonika, Synthesizer, Bassgitarre und Gesang ließ zuverlässig alle Sorgen weichen. Die unvermeidlichen Tränen kündeten vom Glück des Moments. Während auf der kleinen Bühne die abermillionste Variante unerfüllter Liebe besungen wurde, beweinten lachende Augen Momente der Freiheit.

Die Bosniaken jener Zeit waren nicht imstande, das politische System zu ändern, die Welt zu beeinflussen. Was sie stattdessen beeinflussen konnten, das war die sie unmittelbar umgebende Welt aus Familie, Nachbarschaft und Gemeinde. Sie schufen jene Art von Heimat, wie sie sein sollte, jene Art von menschlicher Herzlichkeit, wie sie unser aller Ideal sein sollte.

Dann plötzlich fand ich mich als Junge in einem so anderen Land wieder. In Deutschland waren wir auf einmal. Zu verdanken war das der neuen Verliebtheit meiner Mutter. Ausgerechnet ein Mann aus Njemačka ist es geworden. Da sprachen diese neuen und vom Verhalten her so anderen Menschen in einer merkwürdig hart klingenden Sprache zu mir. Später dann, nach dem Spracherwerb, lernte ich nach und nach die kulturellen Unterschiede. Bekamen bei bosnischen Feierlichkeiten die Kinder immer zuerst aufgetischt, so mußten hier die “Blagen” warten. Wurde in Kozarac abends spontan jemand besucht, dann war da echte Freude und es wurden alle Hebel für gute Stunden der Gemeinschaft umgelegt. Im Land der immer-sauberen Straßen hingegen wurden Termine gemacht, es wurde vorbereitet, man zeigte sich von einer besonderen Seite und nicht immer war Herzlichkeit der Gastgeber.

Viel später sollte ich lernen, wie allein das Gewand der gedachten und gesprochenen Sprache unseren Geist zu kleiden imstande ist. Als Kind spürte ich nur die vielen merkwürdigen Empfindungen in der Phase des Übergangs vom bosnischen Denken und Sprechen hin zum Denken, Sprechen und Träumen in deutscher Sprache. Deutlich weniger Worte waren hier differenziert durch betonte und unbetonte Aussprache. Vor allem aber konnte ich damals noch nicht wissen, dass bereits der Wegfall der grammatikalischen Fälle Lokativ (der Ortsfall), Instrumental (der Fall von Zweck und Mittel) und des Vokativs (der Rufe-Fall) den Wandel des Denkens nicht ohne Stolpersteine geschehen ließen.

Letztlich ist die deutsche Sprache großartig, sie bleibt immerfort das Werkzeug bester Dichtung und Quell großartiger Wortschöpfung aus der Romantik. Aber des Herzens Federkiel mögen andere Sprachen zu führen geeigneter sein. Jene Sprache, welche alle Nuancen des Herzens und des Denkens zu artikulieren imstande ist, bleibt Sanskrit, die Sprache des Yoga. Unbestreitbar hat auch das Sanskrit den Yogaweg im Laufe seiner Jahrtausende zu formen gewusst. So mag es sein, dass ich aus dem beschriebenen Verlust heraus für all das besonders offen bin, was mit Yoga zu gewinnen ist.

Von Deutschland nach Bosnien und Herzegowina

Die andere kurze Erzählung vor unserem Törn ins Leckere und Unterhaltsame hat meinen vor Jahrzehnten verstorbenen Großvater Aziz zum Mittelpunkt. Schon häufiger habe ich diese Geschichte zum Besten gegeben, schließlich erzählt sie vom Apfel in voller Blüte, zu welchem es sich zurückzugehen lohnt.

Aziz‘ Geschichte rund um seine Zwangsarbeiterschaft in einem Konzentrationslager der Nazis, die Befreiung durch tapfere Amerikaner und seinen Fußmarsch zurück in die Heimat lehrt uns des Lebens Wahrheiten. Wir treten aus dem Nichts, um in Wanderschaft mit den Früchten unserer Sinne Gott zu erfreuen. Und entrinnen wir dem Wahnsinn in den Niederungen des Diesseits, dann sollen unsere Füße Schritt für Schritt tun.

Meines Großvaters Geschichte habe ich an anderer Stelle niedergeschrieben: Eines Wanderers Weg vom Konzentrationslager über die Alpen nach Bosnien und Herzegowina

Mit Gurunests Linsensuppe auf die USS Carl Vinson

Wie in den letzten Wochen schon, so findet auch an diesem besseren Tag unseres Seins die Heimkehr zur Suppe ihre bedingungslose Fortsetzung! Das Rezept zur Bosnischen Linsensuppe vegan à la gurunest findest du längst auf unserer yogisch-verrückt-veganen Website. 😉 Übrigens passt zu jedem Süppchen prima die Bosnische Pogača vegan à la gurunest. Der Bosniak zum Beispiel, der ißt ohne Brot nix. 🙂 Letztlich brauchst du die Kalorien, denn gleich geht’s ab auf einen in der Adria patrouillierenden US-Flugzeugträger. Volle Action gestaltet sich schlecht mit leerem Magen!

Im Fadenkreuz (OT: Behind Enemy Lines), USA 2001

Der sogenannte Friedensvertrag unter der Schirmherrschaft des US-Präsidenten Clinton mit den unterzeichnenden Präsidenten der Balkanstaaten steht bevor. Der auf der USS Carl Vinson (CVN-70) stationierte US Navy Kampfpilot Lt. Chris Burnett würde gerne seinen Dienst tun in den Lüften über bosnischer Erde, aber eine komplexe Diplomatie spricht mehr vom Stillhalten und der Fragilität des Friedensprozesses.

Die Welt schaut weg, Flugverbote über den sogenannten demilitarisierten Zonen schaffen den serbischen Truppen den Freiraum, heimlich und unbeobachtet Massengräber auszuheben. Die Leichen getöteter Zivilisten werden dort hunderttausendfach verscharrt. Diese Ahnung schwelt auch in Lt. Burnett und so kommt es zu seinem Ausbruch von seiner politisch korrekten Flugroute, rein in die Flugverbotszone. Die Kamera seiner F-18 Super Hornet dokumentiert das satanische Tun der Serben.

Was dann kommt, ist pure krasse Couch-Action, ein Kampf Mann gegen Mann. Der serbische Sniper Sasha gegen den US-Offizier Burnett. Das Ende will ich nicht verraten, doch soviel sei gesagt: Das Gute obsiegt. 🙂 Sehenswert auch das famose Ende, als die Bell UH-1 mit Bordkanonen, Miniguns und Raketenwerfern die Lichtung klarmachen.

Bist du Yogi, dann hast du gemerkt, dass heute Ahimsa-freier Tag ist. 🙂

Mit bosnischer Apfelpita dem süßen Glück frönen

Apfelkuchen mag Lt. Burnett im Speisesaal des Flugzeugträgers gern an Vanilleeis serviert bekommen. In Österreich tanzen die Gaumen zum Strudel, in Deutschland gibt es etliche heimische Varianten des Apfelkuchens und so nehmen sich auch die Bosnier nicht aus von der Lobpreisung des Backwerks mit der paradiesischen Frucht, der „pita od jabuka“ sei Lob und Dank. Das Rezept zur Bosnischen Apfelpita vegan à la gurunest findest du natüüürlich hier auf unserer Website.

Love and Monsters, USA / Kanada 2020

Abermals ein Filmchen, wie ihm seine Entstehung in Zeiten des politischen Ausnahmezustands deutlich anzusehen ist. Weniger von allem, weniger Menschen, weniger Ansammlungen, Reduktion. Trotzdem und gerade trotz des Umstandes einer deutlichen verringerten Weltbevölkerung auf postapokalyptischem Boden eine kurzweilige Unterhaltung mit etlichen Schmunzelmomenten. Begleite auch du Joel auf seiner Suche nach Aimee und erkenne auch du in dem vermeintlich schrecklichsten Monster das Gute in den Augen.

Vielleicht erinnert dich die Handlung am Ende an unsere Zeit. Möglicherweise tun sich für die Parallelen auf. Überleg einmal: Asteroid als Bedrohung der Menschheit und ausgerechnet die Abwehraktion führt zum Untergang. 😉

Bosnische Ćevapi

Wie schon bedeutet: Bosnien und Herzegowina glänzt nicht mit großen Industriekonzernen, es wirbt nicht mit kulinarischen Finessen, nicht mit historischem Prunk. Allein des sonnengetränkten Landes Herzensgüte, seine Liebe zum Leben und sein Imstandesein zum Verzeihen lassen diese Reisestation zum einem Höhepunkt unserer Tour erwachsen.

So machen wir heuer der Filme wegen nicht viele Worte, des Essens wegen machen wir uns gleichermaßen nicht verrückt. Dergestalt lade ich dich schlicht dazu ein, das ‘Simpelgericht’ Bosnische Ćevapi in Lepinje vegan à la gurunest zu kredenzen und einfach nur das fette satte Leben zu genießen. Meide in den Tagen darauf die Waage und lass so dein Glück noch ein Weilchen andauern! 🙂

Nächster Halt unserer Weltreise: Japan

Der Bordcomputer unseres klimaneutralen yogischen Fliegers weiß es schon längst: Nächste Woche wird uns Japan beherbergen. Das wird ne prima Sause. Schließlich gibt es sehenswerte japanische Filme en masse, allein die Auswahl wird schwer. Aber mit gütigem Herzen und nach rein subjektiven Kriterien werde ich da schon etwas für uns finden.

Mit Bezug auf die japanische Küche stehen wir ebenfalls mehr vor der Qual der Wahl als vor einem Vakuum an landestypischen Rezepten. Wir freuen uns drauf, aufs Land, auf Dich!

七転び八起き (Übersetzt: Siebenmal fallen und achtmal aufstehen.)

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