Der Snowden-Effekt: Die Welt sehen, wie sie ist

Edward Snowden ist der Verdienst zuzusprechen, die Vollüberwachung der moderneren Menschheit aufgedeckt zu haben. Wir sehen beklommen und mutlos die vollständige Bespitzelung unserer Kommunikation, zudem die größtmögliche Analyse unserer Beziehungsgeflechte. Hinzu kommen die Erstellung von Bewegungsprofilen, der massenhafte Einbruch in Persönliche Computer und Smartphones, die staatliche Sabotage von Open Source Software und die politisch legitimierte Inpflichtnahme von Industrie, Wirtschaft und Ämtern. Wir haben uns in einem Albtraum wiedergefunden.

Wir kehren ein in eine Welt, in der ein kontrollierendes System der Totalüberwachung alle potentiellen Systemänderungen sofort sieht, oder gar im Vorfeld den Entstehungsprozess solcher nonkonformen Muster erkennt. Was die Datensammelei erst mit Sinn beseelt, ist schließlich die Auswertung der Masse von gestohlenen Informationen. Totalüberwachung bedeutet eine Granularität bis runter auf das Individuum. Solch ein System verhöhnt all diejenigen, welche vorgeblich ‘nix zu verbergen haben‘, denn es nimmt den Menschen die Würde durch Kenntnis all ihrer Gedanken und Überzeugungen.

Manche haben noch immer nichts zu verbergen

Allein das Wissen um die Totalüberwachung schränkt die Freiheit der Lebensführung in hohem Maße ein. In einer Welt, in der mit jedem Menschen eine detaillierte elektronische Akte verknüpft ist, allumfassend und dynamisch aus allen erdenklichen Quellen gespeist, wird sich der Einzelne seine Lebensweise immer wieder sehr genau überlegen. Zwangsläufig passieren Vermeidungsstrategien. Nicht aufzufallen, gerät zur kontinuierlichen Kür. Es wird ängstlich überlegt,  ob man mit bestimmten Menschen oder Gruppierungen in Verbindung gebracht werden will. Gleiches gilt für die eigene sexuelle Orientiertheit, religiöse Belange oder ganz eigene weltanschauliche Überzeugungen. Big Data sorgt hier zuverlässig für berechenbare Probleme. Ist der Mensch etwa datentechnisch assoziiert mit dem Interesse an den Ideen des Kommunismus, gibt’s potentiell Probleme bei der Einreise in die USA. Bisexuelle, Schwule und Lesben, welche in Russland oder der Arabischen Welt bisher erfolgreich Repressalien durch Geheimhaltung ihrer Privatsphäre entgehen konnten, würden kaum besserer Behandlung entgegenblicken.

Wo ein Trog ist, kommen die Schweine

Die volle Breitseite der öffentlichen Aufmerksamkeit haben gegenwärtig GCHQ, NSA und unsere nationalen Geheimdienste. Allesamt hängen sie zusammen und tauschen munter Daten. So ist es wohl auch die schamhaft verborgene Mitschuld an dem Überwachungsmonster, welche den Regierungen vor allzu großer Menschenliebe im Falle Snowdens im Wege steht.

Alles ist wirklich viel schlimmer, als ich es vor Edward Snowden vermutet hatte. Der Grad der Überwachung ist offenbar identisch mit dem Grad der zur Verfügung stehenden Gelder und der technischen Machbarkeit. Bleiben wir bewusst, bleiben wir gewarnt in den Jahren die da noch kommen mögen.

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